Prof. Thomas Neuhann und Kollegen - Fachärzte für Augenheilkunde
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Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Was ist das?

Verliert eine Hornhaut ihre natürlichen Eigenschaften wie Durchsichtigkeit oder Stabilität und ist auf anderem Wege keine Abhilfe nicht möglich, hilft nur die Übertragung (Transplantation) einer klaren menschlichen Hornhaut.

Die Keratoplastik ist die erfolgreichste Gewebetransplantation überhaupt. Die fremde Spenderhornhaut wird vom Patienten (dem Empfänger oder auch Wirt) oft jahrzehntelang toleriert. Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, müssen meist nur vorübergehend eingenommen werden.

Durch eine erfolgreiche Transplantation können betroffene Patienten das Sehvermögen wieder erlangen und damit wieder lesen, sich orientieren, ihrem Beruf nachgehen.

Indikationen

Zu den häufigsten Krankheitsbildern, die im fortgeschrittenen Stadium eine Hornhauttransplantation erfordern, zählen Wölbungsanomalien der Hornhaut. Hier kommt es zu einer unregelmäßigen Verkrümmung der Hornhaut, so dass kein klares Bild mehr entstehen kann. Der Keratokonus, bei dem es zu einer kegelförmigen Vorwölbung der unteren und zentralen Hornhaut kommt, ist ein hierfür ein Beispiel.

Trübungen der Hornhaut, die zum Verlust ihrer Durchsichtigkeit führen, können vielfältige Ursachen haben. Dazu zählen Narben nach Verletzungen, Infektionen, Geschwüre (Ulcus) oder auch Ablagerungen bei bestimmten Stoffwechselstörungen.

Vorbereitung zur Keratoplastik

Eine Hornhauttransplantation ist nur selten ein akut notwendiger operativer Eingriff. In der Regel geht eine längere augenärztliche Behandlung, verbunden mit beratenden Gesprächen, voraus. Kann kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis erreicht werden, wird Ihr Augenarzt die Hornhauttransplantation als Alternative erwähnen. Auch dann bleibt Ihnen genügend Zeit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Vor der Operation ist eine Untersuchung beim Hausarzt sinnvoll. Es sollte sichergestellt werden, dass keine Einwände gegen die Operation und Narkose bestehen.

Ein akuter, daher auch Notfall-Keratoplastik genannter Eingriff ist nur in seltenen Fällen, z.B. nach einer Hornhautperforation bei bestehendem Geschwür, notwendig

Ablauf der Operation

In den überwiegenden Fällen wird die Keratoplastik in örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird ein Betäubungsmittel mit einer feinen langen Nadel neben den Augapfel (also nicht in das Auge!) gespritzt. Durch diese Art der Betäubung sind das Auge und die Augenmuskeln vollständig betäubt.

Bei der Hornhauttransplantation wird in der Regel nicht die gesamte Hornhaut übertragen, sondern nur der zentrale Teil. Mit Hilfe eines speziellen Instrumentes wird unter dem Operationsmikroskop ein kreisrundes Scheibchen aus der erkrankten Hornhaut herausgeschnitten. Ein exakt gleich großes Scheibchen wird aus dem Zentrum der Spenderhornhaut geschnitten und mit feinsten Nähten in die Öffnung des Empfängerauges eingenäht.

Heilungsverlauf

Wenn der Augenverband zum ersten Mal entfernt wird, werden Sie Licht, Farben und Umrisse sehen können. Einzelheiten werden verschwommen und unscharf sein. Dies ist normal: nach einer Hornhauttransplantation kann es viele Wochen und Monate dauern, bis sich das Sehvermögen langsam bessert, während die Hornhaut heilt. In dieser Phase sind relativ viele augenärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig, um den den Heilungsverlauf zu beobachten und eventuelle Komplikationen rechtzeitig erkennen zu können.

In vielen Fällen ist die postoperative Anwendung von Augentropfen und eventuell auch -salben über viele Monate, manchmal auch Jahre oder gar lebenslang, notwendig. Der Erfolg der Operation hängt wesentlich davon ab, dass diese Medikamente verläßlich und regelmäßig in der vom Arzt verordneten Häufigkeit angewendet werden!

Das für die bestmögliche Sehschärfe notwendige Brillenglas wird nach der Operation oft ganz anders sein als zuvor, die Werte werden sich in aller Regel auch noch häufig ändern.

Die feinen Nylon-Nähte, mit denen das Transplantat eingenäht wurde, verbleiben meist 1 - 2 Jahre in der Hornhaut. Sie müssen jedoch in jedem Fall entfernt werden, den richtigen Zeitpunkt dazu bestimmt der Augenarzt.

Falls nach der Fadenentfernung eine hohe, unregelmäßige Hornhautverkrümmung besteht, sind heutzutage kleine Korrektureingriffe zur Behebung der Hornhautverkrümmung und damit der Verbesserung des Sehvermögens möglich.

Die neue Hornhaut wird im Laufe der Monate und Jahre solide mit einer feinen Narbe verheilen. Diese Narbe erreicht jedoch nie ganz die Festigkeit einer nicht operierten Hornhaut. Daher sollten Sie zeitlebens versuchen, Ihr operiertes Auge vor unnötigen Verletzungsgefahren, z.B. durch das Tragen einer Schutzbrille beim Sport, zu schützen.

Komplikationen

Eine engmaschige Kontrolle bei Ihrem Augenarzt wird dazu beitragen, dass eventuelle Komplikationen rechtzeitig erkannt und behandelt werden können.

Aufgrund der lang andauernden Tropftherapie mit steroidhaltigen Augentropfen ist z. B. eine Erhöhung des Augeninnendruckes möglich, welche ggf. behandelt werden muß.

Wie nach jeder Gewebe- oder Organtransplantation können auch noch nach vielen Jahren, meist lebenslang, Komplikationen - wie z.B. eine Abstoßungsreaktion - auftreten.

Dabei handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Organismus gegen das fremde Gewebe. Unbehandelt führt eine Abstoßungsreaktion nicht zum Herausfallen des Transplantates, wohl aber zur Wiedereintrübung. Das Risiko einer Abstoßung ist in den ersten 1-3 Jahren am höchsten. Wenn sie früh genug erkannt werden, können Abstoßungsreaktionen meist allein durch Augentropfen gestoppt und das Transplantat klar erhalten werden. Da eine Abstoßung zu Beginn nur geringe Symptome verursacht, ist es unerläßlich, dass Sie umgehend Ihren Augenarzt oder direkt Ihre Augenklinik aufsuchen, wenn Sie eine vermehrte Rötung, Lichtempfindlichkeit, Schmerz und Berührungsempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen bemerken, das länger als 2 Stunden andauert. Warten Sie niemals ab, "ob es sich von selbst wieder gibt"!

Fakten

Die Hornhauttransplantation ist heute diejenige Gewebetransplantation, die sowohl am häufigsten durchgeführt wird, als auch die mit Abstand besten Erfolgsraten erzielt. Dies ist den bemerkenswerten Fortschritten der mikrochirurgischen Technik, der postoperativen medikamentösen Behandlung und vor allem den biologischen Eigenschaften der Hornhaut, die sie für die lmmunabwehr des Körpers weniger anfällig macht, zu verdanken.

Hornhauttransplantate stammen immer von verstorbenen Menschen. Dazu werden die Augäpfel spätestens 12 Stunden nach Eintritt des Todes von Augenärzten entnommen. Durch sorgfältige Laboruntersuchungen wird sichergestellt, dass die Hornhaut funktionstüchtig und gesund ist, also keine Krankheiten auf den Spender übertragen werden können.

Die Hornhautspende ist - wie jede Organ- oder Gewebespende - freiwillig und nie gegen den zu Lebzeiten erklärten Willen eines Menschen möglich.

Die Spende einer Hornhaut nach dem Tode ist ein Geschenk für einen anderen Menschen, das fortlebt. Niemals bezieht jemand einen finanziellen Gewinn aus einer solchen Spende.

Eine Augen- oder Hornhautbank ist eine gemeinnützige Organisation, die nach strengen medizinischen und ethischen Richtlinien geeignetes Hornhaut-Spender-Gewebe gewinnt, konserviert und über die Augenchirurgen an geeignete Patienten weiterleitet.
Informationen zur Hornhautbank München.


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