Prof. Thomas Neuhann und Kollegen - Fachärzte für Augenheilkunde
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Das Schielen (Strabismus)

Was ist das?

Als Schielen bezeichnet man einen Stellungsfehler der Augen, bei dem ein Auge von der Parallelstellung abweicht.

Man unterscheidet verschiedene Schielformen:

Das latente Schielen (Heterophorie) ist eine Störung des Muskelgleichgewichts beider Augen, das nur in Zuständen der Erschöpfung, nach Alkoholgenuss oder nach einer Gehirnerschütterung manifest wird.

Das Begleitschielen (Strabismus concomitans) ist die häufigste Form des Schielens. Dabei sind die Gesichtslinien beider Augen nicht auf ein und dasselbe Objekt gerichtet, die Augenmuskeln funktionieren normal, das "eine" Auge begleitet das "andere". Der Altersgipfel des Begleitschielens liegt in den ersten vier Lebensjahren.
Kindliches Schielen kann bei familiärer Veranlagung, durch Risikofaktoren während der Schwangerschaft und Geburt, bei allgemeiner Schwächung des Körpers, z. G. durch Infektionskrankheiten, oder durch fehlen einer notwendigen Brille auftreten. Auch organische Augenveränderungen, wie z.B. durch Infektionskrankheiten, oder durch Fehlen einer notwendigen Brille auftreten. Auch organische Augenveränderungen, wie z. B. Linsentrübungen oder Verletzungen, können Schielen hervorrufen.

Als Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus) bezeichnet man den Funktionsausfall eines oder mehrerer Augenmuskeln. Diese Form des Schielens kann in jedem Alter auftreten. Ursachen können z.B. Meningitis, Diabetes mellitus oder Verletzungen der Augenmuskeln sein.

Beim scheinbaren Schielen (Pseudostrabismus) verlaufen die Gesichtslinien der Augen nicht durch die Hornhautmitte, der Augenabstand ist zu groß oder zu klein.

Symptome

Das kindliche Schielen kann bereits kurz nach der Geburt oder aber auch erst im Laufe der ersten Lebensjahre auftreten. Die normale Zusammenarbeit beider Augen entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten, ist allerdings bis zum 6. Lebensjahr noch verstärkt störungsanfällig.

Hinweise und Alarmzeichen sind:
- deutliche Fehlstellung der Augen ("Schielen")
- Vorbeigreifen
- häufiges Stolpern und Anstoßen
- Zukneifen eines Auges
- Unlust am Lesen oder anderen Tätigkeiten im Nahbereich
- Lesestörungen
- Augenzittern
- Schiefhalten des Kopfes
- Angaben über Doppelbilder, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Verschwommensehen

Plötzliches Schielen bei Erwachsenen, häufig begleitet von Doppeltsehen, entsteht z. B. durch Augenmuskellähmungen oder die Manifestation eines vorher bestandenen latenten Schielens. Auch nimmt die Zahl der Patienten mit belastungsabhängigen Störungen im beidäugigen Sehen deutlich zu, was auf die ständig wachsenden Anforderungen an das Sehen (z.B. in der Schule oder bei der Arbeit am Bildschirm) zurückzuführen ist. Diese Störungen machen sich durch Kopfschmerzen, Lesestörungen, schnelles Ermüden der Augen usw. bemerkbar.

Diagnostik

Die Diagnostik des Schielens erfolgt in der sogenannten Sehschule.

In der Regel hat vor einem Besuch in der Sehschule der Augenarzt bereits den Organbefund am Auge erhoben und bei einem vorliegenden Brechungsfehler die notwendige Brille verordnet. Diese Brille muß - auch im Kleinkindalter - ständig getragen werden.

Die Orthoptistin untersucht den Schielwinkel und die beidäugige Zusammenarbeit. Für die zahlreichen Formen der Schielerkrankungen stehen ihr die verschiedensten Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Therapieoptionen

Brille
Bei mehr als 50% der Kinder wird Schielen durch eine nichtkorrigierte Fehlsichtigkeit verursacht. Dabei handelt es sich meist um eine stärker ausgeprägte Weitsichtigkeit. Oftmals wird schon allein durch das Tragen einer Brille das Schielen beseitigt oder zumindest verringert.

Okklusionsbehandlung
Zur Verminderung oder Beseitigung der Sehschwäche wird überwiegend die Okklusionstherapie, d.h. Abdecken des besser sehenden Auges zur Aktivierung des sehschwachen Auges, angewandt. Dabei wird nach Anweisung des Augenarztes in einem bestimmten Wechselrhythmus ein Klebepflaster auf das nicht schielende bzw. schielende Auge geklebt.

Operation
Ist die Sehschwäche behoben, kann eine Verbesserung des beidäugigen Sehens durch eine Schieloperation angestrebt werden, sofern sich der Schielwinkel nicht allein durch eine Brille genügend verkleinert hat.

Die Orthoptistin führt die für die Schieloperation notwendigen Voruntersuchungen und –behandlungen durch. Auch nach der Operation sind regelmäßige Kontrollen, zum Teil auch Behandlungen erforderlich, weil ein Rückfall in den Schielwinkel und in die Sehschwäche möglich ist.

Prognose

Schielen ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern stellt eine Sehbehinderung dar:
Wird das kindliche Schielen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so entstehen neben der kosmetischen Beeinträchtigung eine Sehschwäche und eine Störung des beidäugigen Sehens.

Die Sehleistung des schielenden Auges bleibt durch Nichtgebrauch in der Entwicklung zurück. Durch die Schielstellung ist die Entwicklung des beidäugigen Sehens so gestört, daß kein normales beidäugiges Sehen entstehen kann.

Die Gefahr, daß eine Sehschwäche nicht oder zu spät entdeckt wird, ist bei Kindern mit auffälligen Schielwinkeln gering. Leider überwiegen die kaum sichtbaren und nicht auffälligen Schielabweichungen mit Sehschwäche eines Auges und werden meist zu spät entdeckt. Auf jeden Fall sollte auch bei spät entdeckten Sehschwächen ein Behandlungsversuch unternommen werden, um ein „Reserveauge“ zu schaffen.

Das beidäugige Sehen kann durch die Brillenverordnung und eine eventuelle Schieloperation verbessert werden. Eine fehlende bzw. unzureichende Behandlung des Schielens und der Sehschwäche beeinträchtigt die spätere Berufswahl. So müssen z.B. für den Beruf des Polizisten, des Schlossers, des Taxifahrers oder LKW-Fahrers bestimmte Kriterien an das Sehen erfüllt werden.

Allgemein gilt als Faustregel:
Je früher das Schielen und die Sehschwäche entdeckt und behandelt werden, umso erfolgreicher können Dauerschäden vermieden werden.

Fakten

Schielen oder Stellungsfehler der Augen tritt bei ca. 5-7 % der Bevölkerung auf.

Schielen ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern stellt eine ernstzunehmende Erkrankung dar. Unbehandelt resultiert Schielen in einem sehschwachen Auge und einem gestörten beidäugigen Sehen resultiert.

Je früher das Schielen und die Sehschwäche entdeckt und behandelt werden, umso erfolgreicher können Dauerschäden vermieden werden.

 

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