Keratokonus und verwandte Veränderungen

Die Hornhaut

Die Hornhaut ist das kristallklare Fenster vorne am Auge, durch das man die farbige Regenbogenhaut (Iris) und die schwarze Pupille sieht.

Mikroskopischer Aufbau der Hornhaut (Schema).

Sie ist mikroskopisch aus 5 Schichten aufgebaut, von denen jede ihre spezifische Aufgabe hat. Auf ihrer Oberfläche ist sie zudem noch von einer hauchdünnen Flüssigkeitsschicht (Tränenfilm) überzogen.

Das Epithel ist die äußere Schutzzellschicht der Hornhaut. Ähnlich den oberen Hautschichten erneuert sie sich ständig und heilt bei Verletzungen normalerweise auch rasch wieder zu. Die Innenseite der Hornhaut ist von nur einer einzigen Zelllage (Endothel) bedeckt. Diese Zellen pumpen überschüssiges Wasser aus der Hornhaut heraus und halten sie damit immer genau auf dem Wassergehalt, der eine perfekte Durchsichtigkeit gewährleistet. Damit dies gelingt, darf nie die kleinste Lücke in dieser Zellschicht entstehen. Gehen Endothelzellen verloren, so müssen die übrigen Zellen sich vergrößern und die Lücke decken, da die Endothelzellen sich nicht vermehren können.

Die in der Mitte der Hornhaut liegenden Schichten (Stroma) sind durch eine äußerst komplizierte Feinstruktur durchsichtig, obwohl sie aus Körpergewebe bestehen. Jede Schädigung in diesem Bereich führt zu Trübungen. Epithel und Stroma werden durch die Bowman- Membran getrennt. Die Descemet-Membran dient als Unterlage für die Endothelzellen und verbindet sie mit dem Stroma.

Die Hornhaut hat 3 Haupteingenschaften

1. Durchsichtigkeit: So gewährleistet sie den Lichtstrahlen ungehinderten Eingang in das Auge und zur Netzhaut, damit man sehen kann.

2. Wölbung: So erhält sie die notwendige Brechkraft, um (zusammen mit der Augenlinse) das Bild der Außenwelt scharf auf unserer Netzhaut abzubilden.

3. Festigkeit: Die Hornhaut ist ein durchgehender Bestandteil der äußeren schützenden und formgebenden Hülle des Augapfels (der übrige weiße und undurchsichtige Anteil heißt Lederhaut).

Was ist ein Keratokonus?

Die kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut ist hier an der Eindellung des Lides beim Blick nach unten zu erkennen.

Die Bezeichnung ist vom griechischen Wort „keras“ für Horn (in diesem Fall die Hornhaut des Auges) und vom lateinischen Wort „konus“ für Kegel hergeleitet. Keratokonus bezeichnet also eine kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, die normalerweise annähernd wie ein Kugelabschnitt gewölbt ist. Dies kommt daher, dass die Hornhaut beim Keratokonus aufgrund geringerer biomechanischer Stabilität in ihren zentralen Anteilen dünner wird. In den verdünnten Bereichen wölbt sie sich dann unter dem Augeninnendruck stärker vor als in den (normal) dickeren peripheren Anteilen, so dass eine kegelförmige Kontur zustande kommt. Die Kegelform kann dabei mehr oder weniger asymmetrisch sein, je nachdem, wo die dünnste Stelle ist.

Keratokonus bedeutet also eine nicht durch äußere Faktoren bedingte Verdünnung, in aller Regel fortschreitend, mit nachfolgender unregelmäßiger Verformung der Hornhaut.

Wie häufig ist ein Keratokonus?

In Europa schätzt man, dass unter ca. 2000 Menschen ein Keratokonus-Fall auftritt.

Wodurch entsteht ein Keratokonus?

Leider ist die Ursache des Keratokonus nicht wirklich bekannt. Die folgende Aufzählung soll Ihnen zeigen, dass die Forschung viele Ansätze untersucht, aber noch kein eindeutiger auslösender Faktor oder eine eindeutige Kombination davon gefunden werden konnte.

Genetische Faktoren: Viele Hinweise sprechen dafür, dass es eine genetische Veranlagung für Keratokonus gibt. Etwa 13 % der Keratokonuspatienten haben wenigstens ein weiteres betroffenes Familienmitglied. Mindestens 9 Gene hat man bisher mit dem Keratokonus in Verbindung gebracht. Nach heutigem Kenntnisstand scheint es mehrfache, uneinheitliche erbliche Veranlagungen zu geben, die möglicherweise in eine gemeinsame Endstrecke (der Auslösung der Verdünnungsveränderungen in der Hornhaut) münden.

Verbindung mit anderen Krankheiten: Es gibt andere Krankheiten/Veränderungen, insbesondere solche mit genetischem Hintergrund, mit denen überdurchschnittlich häufig ein Keratokonus vergesellschaftet ist. Dazu gehören z. B. die Neurodermitis und Chromosomenanomalien, wie die Trisomie 21.

Äußere Faktoren: Viel diskutiert, aber nicht gesichert ist, dass chronisches Augenreiben einen Keratokonus verschlimmern oder gar auslösen kann.

Forschung unterwegs: Viele hochinteressante punktuelle Forschungsergebnisse sind erarbeitet worden, die zusammen jedoch immer noch ein ungelöstes Puzzle ergeben. So gibt es Hinweise, dass durch ein Ungleichgewicht verschiedener Enzyme, die beim normalen Gewebsumbau eine Rolle spielen, die oberflächlichen Hornhautschichten teilweise zerstört werden. In letzter Zeit wird auch vertieft geforscht, ob möglicherweise die Fähigkeit der Hornhaut zur Neutralisation ständig entstehender „freier“ Radikale gestört ist. Die freien Radikale können einen verfrühten „programmierten Zelltod“ (Apoptose) auslösen.

Wie wirkt sich ein Keratokonus aus?

Die anomale Hornhautkrümmung führt im Wesentlichen zu Verzerrungen und Mehrfachbildern und damit zu einer Verschlechterung des Sehvermögens. Symptome können sein: Verschwommensehen, Verzerrtsehen, Blendempfindlichkeit und schlechtes Sehen in Dämmerung und Dunkelheit. Mit dem Fortschreiten der anomalen Krümmung und der Ausdünnung nimmt das Sehvermögen im Verlauf weiter ab.

In den späten Stadien treten dann zusätzliche Gewebsveränderungen auf, die zu einer weiteren Sehverschlechterung führen. Hierzu gehören feine Fältelungen der inneren Hornhaut (sog. Vogt-Linien) und feine Einrisse der äußeren Hornhaut mit daraus resultierenden Narben auf der Kegelspitze.

Im Extremfall kann es zu einem Einriss der sog. Descemetmembran an der Innenseite der Hornhaut kommen. Hierdurch dringt Kammerwasser in die Hornhaut ein, die dadurch schlagartig anschwillt.

So kommt es zu einer akuten massiven Sehverschlechterung („akuter“ Keratokonus, Hydrops der Hornhaut).

Kann die Hornhaut sich soweit verdünnen, dass sie platzt oder durchbricht?

Am Spaltlampenmikroskop kann der Augenarzt die Verdünnung der Hornhaut erkennen.

Theoretisch ist das vorstellbar und nicht auszuschließen. Solche spontanen Ereignisse, also ohne ersichtlichen äußeren Grund, sind in der wissenschaftlichen Literatur jedoch nur äußerst selten beschrieben. Dass bei extrem verdünnter Hornhaut aber eine stumpfe Gewalteinwirkung (Schlag, Stoss etc.) zu einem Aufplatzen führen kann, was bei einem gesunden Auge nicht möglich gewesen wäre, ist natürlich möglich.

Wie verläuft ein Keratokonus?

In aller Regel entwickelt sich der Keratokonus im Pubertätsalter bis zum jungen Erwachsenenalter, aber auch früheres oder späteres erstmaliges Auftreten ist möglich und bekannt. Er schreitet über Jahre mehr oder weniger rasch fort und tendiert dann zunehmend zum Stillstand.

Insgesamt ist der Verlauf individuell, außerordentlich variabel und unterschiedlich, von extrem langsamer Entwicklung bis zu sehr raschem Fortschreiten (mit Operationsnotwendigkeit), sodass man für den Einzelfall keine Vorhersage machen kann.

Zumeist sind beide Augen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Grundsätzlich muss man eigentlich immer davon ausgehen, dass beide Augen betroffen sind, wenn auch die Entwicklung zeitlich teilweise sehr weit auseinanderklaffen kann. Rein einseitige Keratokonusfälle sind nur in Einzelfällen beschrieben.

Stadieneinteilung

Spätstadium eines Keratokonus mit Vernarbung.

Im wissenschaftlichen Bereich sind unterschiedliche Stadieneinteilungen für den Keratokonus vorgeschlagen worden, die aber keinen wirklich praktischen Nutzen haben.

Wie diagnostiziert man den Keratokonus?

In seinen frühen Stadien führt meist eine Sehverschlechterung und/oder unscharfes Sehen den Patienten zum Augenarzt. Hier wird man bei der Erhebung der Vorgeschichte ggf. Hinweise auf familiäre Belastung oder andere Krankheiten, die häufig mit Keratokonus in Verbindung stehen, finden. Nicht selten berichten betroffene Patienten auch, dass frühere Brillenanpassungen nicht zu völliger Korrektur des Sehfehlers führten oder dass auch mit der neuen Brille noch mehr oder weniger geringfügige Unschärfen, Verzerrungen oder dergleichen bestehen. Typischerweise führt der Keratokonus zu einer Zunahme der Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung. Bei der Bestimmung der Fehlsichtigkeit (objektive und subjektive Refraktion) ist es oft so, dass eine perfekte Sehschärfe durch Brillengläser nicht (ganz) erzielbar ist. In den fortgeschrittenen Stadien ist die Diagnose allein beim Blick durch das Spaltlampenmikroskop, wenn nicht sogar mit bloßem Auge, ersichtlich.

Vermessung der Hornhaut bei Keratokonus (Topografie) zeigt eine Aufsteilung.

Die endgültige Diagnose wird schließlich durch Messung von Oberflächenkrümmung und Dickenprofil der Hornhaut gestellt.

Die Vermessung der Hornhautoberfläche (Topografie) wird heute fast ausschließlich mit modernen rechnergestützten Messgeräten durchgeführt. In dieser Untersuchung ist der Keratokonus (und ggf. die verwandten Veränderungen) an typischen Wölbungsmustern erkennbar.

Pachymetrie einer Hornhaut bei Keratokonus. Die Hornhaut ist zentral auf 356µm verdünnt (Normwert: >500µm).

Die Verdünnung erfasst man mit der Messung der Hornhautdicke, sei es mit Licht oder mit Hilfe von Ultraschall. Diese Dickenvermessung der Hornhaut wird in der Fachsprache „Pachymetrie“ genannt.

Manche der modernen Hornhauttopografen können gleichzeitig die Hornhautdicke über die gesamte Ausdehnung der Hornhaut miterfassen und so dickere und dünnere Stellen genau bestimmen (z. B. Pentacam®).

Wie behandelt man den Keratokonus?

„Heilen“ kann man den Keratokonus nicht. Man kann seine Folgen für das Sehvermögen jedoch mit unterschiedlichen Methoden und Hilfsmitteln korrigieren oder wenigstens verbessern. Die Behandlungsarten lassen sich unterteilen in die, die nur den entstehenden Sehfehler ausgleichen, und solche, die den Keratokonus an sich behandeln. Im Folgenden sollen alle Behandlungsarten kurz erläutert werden.

Keine Korrektur, Brille, Weiche Kontaktlinsen

Solange man ohne optische Korrektur, mit einer Brille oder mit einer weichen Kontaktlinse noch ein so gutes Sehvermögen erzielen kann, dass es den Anforderungen/Bedürfnissen des Patienten genügt, ist dies die einfachste Lösung. Sie wird aber in der Regel nur in den sehr frühen Stadien mit geringer Ausprägung ausreichen, weil Brillengläser und weiche Kontaktlinsen grundsätzlich im Wesentlichen nur reguläre, nicht aber unregelmäßige (wie sie beim Keratokonus bestehen) Fehlsichtigkeiten korrigieren.

Harte Kontaktlinsen

Harte Kontaktlinse.

Die unregelmäßige Hornhautverkrümmung des Keratokonus kann nur durch eine sog. harte (formstabile) Kontaktlinse korrigiert werden. Durch keine andere Korrektur kann ein besseres, meist nicht einmal ähnlich gutes, Sehvermögen erzielt werden. Das liegt daran, dass die harte Kontaktlinse die Unregelmäßigkeit der Oberfläche durch ihre Form ausgleichen kann. Deshalb ist, wenn eine Brille nicht mehr ausreicht, die Kontaktlinsenkorrektur die erste Wahl beim Keratokonus und zwar so lange, wie sie von der Verträglichkeit her möglich und vom damit erzielten Sehvermögen her ausreichend ist.

Grenzen der Kontaktlinsenkorrektur

Anpassbarkeit: Eine harte Kontaktlinse muss, um nicht aus dem Auge herauszufallen, einen gewissen Halt auf der Augenoberfläche haben. Daher wird diese immer der Hornhautkrümmung angepasst. Ist durch den Keratokonus die Oberfläche jedoch zu kegelförmig oder zu unregelmäßig, kann es möglich sein, dass die Kontaktlinse nicht hält und somit auch nicht getragen werden kann.

Verträglichkeit: Harte Kontaktlinsen werden von der empfindlichen Hornhautoberfläche als Fremdkörper empfunden. Um dies zu minimieren, müssen sie zunächst optimal angepasst werden. Erfahrene Anpasser haben eine Vielfalt von Speziallinsen und nicht zuletzt auch Tricks dafür zur Verfügung. Keratokonuspatienten müssen eine positive Einstellung und Motivation mitbringen, die Unannehmlichkeiten der Gewöhnungsphase durchzustehen, um Langzeiterfolg zu erzielen. Durch eine möglichst perfekte Anpassung und konsequente und geduldige Gewöhnung an zunehmende Tragezeiten lässt sich in den allermeisten Fällen eine so gute Toleranz erzielen, dass die Kontaktlinsen über viele Jahre beschwerdefrei ganztägig getragen werden können.

Sehvermögen: Während harte Kontaktlinsen eine unregelmäßige Verkrümmung korrigieren können, bieten sie naturgemäß keine Abhilfe für eine Sehverschlechterung, die durch narbige Trübungen entsteht, wie sie in den fortgeschrittenen Stadien auftreten kann. Deshalb ist nach einhelliger Auffassung aller Spezialisten weltweit die Korrektur durch formstabile Kontaktlinsen beim Keratokonus solange die erste Wahl, wie sie von der Verträglichkeit und/oder dem erreichbaren Sehvermögen her den Anforderungen des Patienten genügt.

Quervernetzungsbehandlung der Hornhaut („Crosslinking“)

Beleuchtung der Hornhaut mit UV-A Licht.

Seit über 10 Jahren erprobt und in den letzten Jahren zur Reife der routinemäßigen klinischen Anwendbarkeit entwickelt, ist das Crosslinking ein Verfahren, welches eine Verlangsamung, wenn nicht gar ein Anhalten des Fortschreitens des Keratokonus zum Ziel hat. Das Verfahren besteht darin, dass zusätzliche chemische Querverbindungen zwischen den Molekülen des Bindegewebes der Hornhaut (Stroma) hergestellt werden, wodurch das Gewebe steifer und weniger verformbar wird. Tatsächlich erfolgt im kollagenen Bindegewebe natürlicherweise eine solche zunehmende Quervernetzung ohnehin mit zunehmendem Lebensalter. Das ist auch der Grund, warum der Keratokonus in der Regel bei älteren Patienten weniger stark fortschreitet. Bewirkt wird diese Quervernetzung durch ultraviolettes Licht (UV-A-Licht), unterstützt durch Riboflavin (auch als Vitamin B2 bekannt).

Was bewirkt die Quervernetzung?

Durch die Versteifung des Gewebes wird das weitere Fortschreiten der Verdünnung und Vorwölbung („Ausbeulung“) im besten Falle angehalten, wenigstens aber deutlich verlangsamt, wie alle bis heute vorhandenen wissenschaftliche Erkenntnis zeigt. Sie kann also die bestehende Hornhautwölbungsform im Wesentlichen „einfrieren“.

Zwar beobachtet man bei einer Reihe behandelter Patienten leichte Veränderungen der Wölbungsform, in aller Regel in Richtung einer (erwünschten) Abflachung. Man kann dies aber für den Einzelfall in keiner Weise vorhersagen.

Für wen eignet sich die Quervernetzung?

Da die Behandlung die bestehende Hornhautwölbungsform im Wesentlichen „einfriert“, ist sie logischerweise für solche Patienten geeignet und ratsam, die mit ihrer gegenwärtigen optischen Korrektur (noch) gut zurecht kommen. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass sie umso mehr erwogen werden sollte, je jünger der/die Patient/in ist und/oder je weniger weit fortgeschritten der Keratokonus ist.

Weitere Informationen zur Quervernetzung finden Sie hier.

Intrakorneale Ringsegmente

Intrakorneales Ringsegment im Verhältnis zum Auge.

Hierbei handelt es sich um kleine Spangen aus Plexiglas in der Form eines Ringabschnittes (zumeist etwa eines Halbkreises). Sie werden in die Hornhaut eingesetzt und verändern deren Form in solcher Weise, dass die Kurzsichtigkeit und die Wölbungsunregelmäßigkeit der Hornhaut verringert werden. Ziel ist es, die Wölbung der Hornhaut so zu beeinflussen, dass der verbleibende (abgeschwächte) Sehfehler mit einer Brille oder Kontaktlinse korrigiert werden kann. Bildlich kann man diesen Mechanismus mit dem eines „Kragenstäbchens“ oder einer „Korsettstange“ vergleichen.

Dieses Verfahren eignet sich für solche Patienten, die einerseits weder mit Brille noch Kontaktlinsen (aus welchem Grund auch immer) ausgeglichen werden können. Andererseits weisen sie noch keine übermäßig starke Ausprägung des Keratokonus auf, sodass die Hornhauttransplantation, als einzig verbleibende Alternative, noch verfrüht erscheint.

Schematische Darstellung eines intrakornealen Ringsegmentes.

Die Chancen für eine Verbesserung des Sehvermögens mit Brille sind mit diesem Verfahren in geeigneten Fällen insgesamt gut. In aller Regel wird jedoch keine volle Sehschärfe erreicht.

Ob das erzielbare/erzielte Ergebnis im Einzelfall als erfolgreich gelten kann, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Zum einen unterscheiden sich Erwartungen und Bedürfnisse der Patienten beträchtlich, zum anderen gleicht kein Keratokonus dem anderen in seinem gewebsmechanischen Verhalten.

Letztlich muss man das Verfahren deshalb ggf. in der individuellen Situation erproben. Eine solche Entscheidung trotz verbleibender Ungewissheit über den Erfolg wird aber dadurch erleichtert, dass der Eingriff sich bei unbefriedigendem Ergebnis nach bisheriger Erfahrung ohne nachweisbare Folgen durch einfache Entfernung der eingesetzten Ringsegmente wieder rückgängig machen lässt. Der Weg für alle Alternativen, namentlich die Hornhauttransplantation, bleibt so unverändert offen.

Wirkt sich der Ring hingegen positiv auf die Wölbungsform aus, kann dieser Zustand bei entsprechender Hornhautdicke wiederum mit der Crosslinkingbehandlung „eingefroren“ werden. Mittlerweile kann bei dieser Behandlung die Hornhauttasche (in die der Ring eingesetzt wird) auch mit dem sog. Femtolsekundenlaser präpariert werden.

Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Keratoplastik. Die übertragene Hornhaut wird mit feinen (hier sternförmig angeordneten) Nähten befestigt.

Ist der Keratokonus so weit fortgeschritten, dass ein den Bedürfnissen gerechtes Sehvermögen nicht mehr mit einem der genannten Verfahren erzielt werden kann, muss die zentrale Hornhaut durch eine Transplantation von gesundem Spendergewebe ersetzt werden, welches von einem Verstorbenen stammt. Aufgrund der besonderen Gewebebeschaffenheit der Hornhaut (keine Gefäße) erfordert diese Organtransplantation aber normalerweise nicht, dass hohe Dosen von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, über lange Zeit gegeben werden müssen. Üblicherweise sind kortisonhaltige Augentropfen für ca. 6 Monate ausreichend.

Da beim Keratokonus keine entzündlichen Veränderungen vorliegen, ist die Erfolgsaussicht einer solchen Hornhautübertragung in der Regel sehr gut, sodass man sich vor diesem Eingriff nicht fürchten muss. Gerade in letzter Zeit sind verschiedene Operationstechniken nennenswert weiterentwickelt worden, z. B. durch die Einführung moderner Laserverfahren für die Durchführung der Schnitte (sog. Femtosekundenlaser-assistierte Keratoplastik) oder die Verfeinerung der Möglichkeiten, die nicht betroffene Innenschicht der eigenen Hornhaut zu erhalten (sog. lamelläre Keratoplastik). Trotz aller Fortschritte bleibt es jedoch eine Transplantation mit möglichen Risiken und Unwägbarkeiten. Diese sollte deshalb nur dann durchgeführt werden, wenn die notwendigen Kriterien zutreffen.

Weitere Informationen zur Hornhauttransplantation.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben diesen wissenschaftlich gut fundierten und anerkannten Behandlungsverfahren gibt es auch beim Keratokonus, wie oft in der Medizin, sehr umstrittene Methoden.

Laserbehandlung, Photorefraktive Keratektomie (PRK), Phototherapeutische Keratektomie (PTK)

Eine mögliche Behandlung des Keratokonus mit dem Excimer-Laser wird gegenwärtig in der Augenheilkunde höchst kontrovers diskutiert. Mit jeder solchen Behandlung wird die Hornhaut prinzipiell verdünnt und damit weiter mechanisch geschwächt. Für ganz vereinzelte spezielle Situationen könnte man sich eine solche Behandlung vorstellen, dafür gibt es auch einige solide wissenschaftliche Studienergebnisse. Zweifelsfrei ist, dass es sich nur um ganz vereinzelte Sondersituationen handelt.

„Mini-ARK“ (Lombardi)

"Mini-ARK" nach Lombardi.

Der italienische Augenchirurg Lombardi hat ein Verfahren zur Brechkraftkorrektur, welches heute nicht mehr angewendet wird (RK – radiäre Keratotomie), zur Behandlung des Keratokonus modifiziert. Es besteht in der Durchführung vieler kurzer tiefer Einschnitte in die Hornhaut in einem strahlenförmigen Muster in der mittleren Hornhautperipherie. Sie schwächen die ohnehin verdünnte und geschwächte Hornhaut noch weiter massiv und führen zu beträchtlicher und nicht vorhersagbarer Vernarbung. Wissenschaftliche Untersuchungen von akzeptabler Qualität liegen nicht vor.

Deshalb wird dieses Verfahren in der internationalen Augenheilkunde übereinstimmend abgelehnt und auch von niemandem außer von Lombardi selbst durchgeführt.

Andere Hornhautektasien

Außer dem Keratokonus gibt es noch andere verdünnend Hornhauterkrankungen. Alle gemeinsam verbindet eine krankhafte Vorwölbung der Hornhaut (Ektasie) mit schlechter optischer Abbildung.

Pellucide marginale Hornhautdegeneration (PMD)

Pelluzide marginale Degeneration (Pentacam®-Aufnahme).

Bei der pelluciden marginalen Degeneration betrifft die Verdünnung und Vorwölbung den unteren peripheren Bereich der Hornhaut. Die Erkrankung tritt meist im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt auf und macht sich als zunehmende Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) bemerkbar.

Keratoglobus

Der Keratoglobus bezeichnet eine kugelförmige (also im Gegensatz zum Keratokonus nicht kegelförmige), blasige Auswölbung der Hornhaut mit einer Verdünnung überwiegend in ihrem Randbereich.

Die Behandlung dieser beiden genannten Veränderungen entspricht der des Keratokonus, wobei alle Methoden aufgrund der Verdünnung vor allem am Rand der Hornhaut nur bedingt zum Einsatz kommen können oder eine deutlich begrenztere Prognose haben.

Ausblick

Diese Information hätte Ihren Sinn erfüllt, wenn sie Ihnen einen grundlegenden Überblick über unser derzeitiges Wissen bezüglich des Keratokonus, seiner verwandten Veränderungen und deren Behandlungsmöglichkeiten vermitteln konnte. Dann ist auch klar geworden, dass kein Keratokonus dem anderen gleicht und jeder Keratokonuspatient seine eigene Lösung braucht. Nicht zuletzt hoffen wir, ermutigend gezeigt zu haben, dass die Chancen für fast jeden denkbaren Fall, eine gute Lösung zu finden, sehr gut sind. Es bleibt abschließend festzuhalten, dass der Keratokonus eine Erkrankung ist, mit der man in den allermeisten Fällen ein völlig normales Leben führen kann.

Die Diagnose und Information soll Sie nicht entmutigen, sondern Ihnen die verschiedenen Aspekte darlegen, die man bei der Wahl der richtigen Therapie berücksichtigen muss. Für Ihren individuellen Fall wird man im persönlichen Gespräch eine maßgeschneiderte Lösung für die jeweils gegebene Situation finden.